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Merowingerzeit – Geschichtliche Zusammenfassung von 560 bis 639

Gemeinhin wird die Merowingerzeit in ältere und jüngere Merowingerzeit unterteilt. Zunehmend wird aber in drei Epochen differenziert: Auf die frühmerowingische von 450/80 bis 560/70 folgt die mittelwerowingische Zeit bis etwa 630/40 und dann die spätmerowingische bis etwa 720. Bereits die letzten Jahre unter der Herrschaft der Merowinger (bis 751) werden nicht mehr zwingend der Merowingerzeit zugeordnet.

Aufteilung des Reichs nach Chlothars Tod

Nach dem Tod Chlothar I. (Sohn von Chlodwig) im Jahr 561 wurde das Reich unter seinen vier Söhnen aufgeteilt. Diese Aufteilung unter den Söhnen entstammte der fränkischen Erbtradition. Charibert I. starb bereits 6 Jahre später. Chilperich I. war von Beginn an mit der Aufteilung unzufrieden, jedoch konnte er sein Herrschaftsgebiet infolge des Todes seines Bruders nicht entscheidend vergrößern. Sein Halbbruder Sigibert I. heiratete 566 Brunichild, eine Tochter des Westgotenkönigs Athanagild, was ihm hohes Ansehen einbrachte. In der Folge vermählte sich auch Chilperich mit Brunichilds älterer Schester Gailswintha. 570 ließ er sie jedoch ermorden und heiratete Fredegunde. Diese stammte aus Gailswinthas Gesinde und war bereits zuvor Chilperichs Konkubine. Der Mord an Gailswintha führte zu einer erbitterten Feindschaft zwischen Chilperich und Brunichild.

Krieg unter Brüdern in der Merowingerzeit

Chilperich begann den Krieg gegen Sigibert, konnte jedoch nur vorübergehend Erfolge verzeichnen. Sein Sohn Theudebert fiel bei einer Offensive Sigiberts im Jahr 575 und Chilperich floh nach Tournai im Norden. Da viele seiner Adligen zu Sigibert überliefen, schien seine Macht bereits gebrochen. In dieser nahezu aussichtslosen Situation trat durch die Ermordung Sigiberts eine überraschende Wende ein. Chilperich eroberte den gesamten, westlichen Teil des Reiches von Sigibert und nahm Brunichild gefangen. Im Osten des Fränkischen Reichs trat Childebert II. die Nachfolge seines Vaters als König von Austrasien an. 577 konnte Brunichild allerdings aus der Gefangenschaft fliehen und übernahm eine maßgebliche Rolle am Hof ihres Sohnes.

Verschwörungen des Adels

Guntram I. (der vierte der noch lebenden Söhne Chlothars) adoptierte seinen Neffen Childebert, damit sein Reichsteil Burgund nach seinem Tod nicht an Chilperich ging. Gemeinsam wollten beide gegen Chilperich vorgehen. 581 kam es allerdings zu einem Umsturz am Hofe des inzwischen 11-jährigen Childeberts. Brunichild verlor ihre Machstellung und die Opposition der austrasischen Großen verbündete sich mit Chilperich. Gegen den Willen Childeberts wollten sie König Guntram besiegen, jedoch folgte das austrasische Heer den Befehlen der neuen Machthaber nicht. Sie sahen sahen darin einen Verrat an den Interessen ihres Königs Childebert. Die Umstürzler mussten fliehen und Brunichild konnte an den Hof zurückkehren. 584 wurde Chilperich ermordet. Nachfolger wurde sein erst wenige Monate alter Sohn Chlothar II, der jedoch zunächst nicht König wurde. König Guntram stellte ihn zusammen mit seiner Mutter Fredegunde, die das kleine Königreich ihres Sohns verwaltete, unter seinen Schutz.

Der Vertrag von Andelot

587 kam es erneut zu einer Verschwörung austrasischer Adeliger, die den inzwischen 17-jährigen Childebert ermorden wollten, um dann dessen Söhne, die Kleinkinder waren, formal als Nachfolger einzusetzen und selbst die Macht zu übernehmen. Die Verschwörung wurde jedoch rechtzeitig aufgedeckt und vereitelt.

Aufgrund der erkannten Bedrohung für die Herrschaft der Merowinger insgesamt schlossen Guntram, Childebert und Brunichild am 28. November 587 den Vertrag von Andelot. Nach diesem sollte das jeweilige Königreich bei einem Tod ohne eigene Söhne an den jeweils anderen König fallen.

Die Merowingerzeit - Karte der Aufteilung des Reichs im Vertrag von Andelot von 587
Teilung des Frankenreichs von 587

592 starb Guntram und Childebert wurde tatsächlich zum König von Austrasien und Burgund. Auch in den weiteren Jahren der Merowingerzeit wurde die Herrschaft der Könige immer wieder vom Bestreben des Adels nach Unabhängigkeit und mehr Macht bedroht.

Vier Jahre später verstarb überraschend jedoch auch Childebert und sein Reich wurde unter seinen beiden Söhnen geteilt. Theudebert I. erhielt Austrasien, sein jüngerer Bruder Theoderich II. wurde König von Burgund. Fredegunde verstarb 597 und Chlothar bestieg im Alter von 13 Jahren den Thron von Neustrien.

Das fränkische Reich der Merowingerzeit zu Beginn des siebten Jahrhunderts

Im Jahr 600 gelang den Brüdern in der Schlacht von Dormelles ein entscheidender Sieg über ihren Onkel Chlothar. Als Folge wurde dessen Herrschaftsgebiet auf das Land um Rouen, Beauvais und Amiens dezimiert.

In der folgenden Zeit zerbrach jedoch das Bündnis der beiden Brüder. Chlothar sicherte Theuderich Neutralität im bevorstehenden Konflikt zu. 612 besiegte dieser seinen Bruder Theudebert in zwei Schlachten und ließ ihn und seine Söhne töten. Chlothar verlangte für seine gewahrte Neutralität die zugesagte Belohnung in Form größerer Teile Burgunds. Theoderich hielt sich jedoch nicht an sein Versprechen. Überraschend verstarb er kurz darauf an der Ruhr.

Der Aufstieg Chlothars zu einem der bedeutendsten Herrscher der Merowingerzeit

Brunichilde hob eilig ihren Urenkel Sigibert II. auf den Thron, jedoch folgte ihr die austrasische Opposition der Adels nicht länger. Sie lieferten Brunichilde, Sigibert und zwei seiner Brüder an Chlothar aus. Einem weiteren Bruder, Childebert, gelang die Flucht. Sein Patenkind Merowech, den jüngsten der Söhne Theoderichs, verschonte Chlothar. Sigibert und Corbus jedoch wurden genau wie ihre Urgroßmutter hingerichtet. Über die Hinrichtung Brunichilds ist folgendes überliefert:

Brunichild wurde vor Chlothar gebracht, …da er sie zutiefst hasste …; er ließ sie drei Tage lang verschiedenen Foltern aussetzen, dann gab er den Befehl, sie zuerst auf ein Kamel zu setzen und im ganzen Heer herumzuführen und sie dann mit dem Haupthaare, einem Fuß und einem Arm an den Schwanz eines über alle Maßen bösartigen Pferdes zu binden; dabei wurde sie dann durch die Hufe und den rasenden Lauf in Stücke gerissen.

Chroniken des Fredegar, IV, 42, S. 201

Chlothar war damit nach seinem Großvater und den folgenden langjährigen Bruderkriegen der erste König über das gesamte Frankenreich.

Das Edictum Chlotharii

Allerdings machte er im Jahre 614 dem fränkischen Adel, der entscheidend zu seinem Sieg über Brunhilde beigetragen hatte, im Edictum Chlotharii wichtige Zugeständnisse. Hierdurch legte er angeblich den Grundstein für den späteren Aufstieg der Hausmeier, insbesondere der Pippiniden, aus denen in der Folge die Karolinger hervorgingen. Nach Patrick J. Geary und Sebastian Scholz handelte es sich jedoch vielmehr um eine Bestätigung der traditionellen, lokalen Grundstruktur des Frankenreichs. Chlothars folgende Regierungszeit und die seines um 608 geborenen Sohnes Dagoberts I. waren trotz der brutalen Hinrichtung der Königin Brunichild die friedlichste, erfolgreichste und bedeutendste Periode seit der Regierungszeit Chlodwigs.

„Bon Roi Dagobert“ – Der gute König Dagobert

Die Zeit König Dagoberts ist nicht mehr gut dokumentiert. Sowohl die Fredegarchronik als auch der liber francorum scheinen in ihrer Darstellungsweise von persönlichen Motiven der Verfasser gefärbt. Gesichert sind aber die Fakten: 623 wurde er von seinem Vater als Unterherrscher in Austrasien eingesetzt. Wenngleich er das Reich nach dem Tod seines Vaters erneut vereinen konnte, so war er außenpolitisch nur bedingt erfolgreich. Seinen Erfolgen bei der Rückeroberung der Gascogne und der Bretagne stehen der Verlust der sächsischen Tribute gegenüber. Noch schlimmer wurde seine Niederlage 631 gegen den fränkischen Kaufmann und Slawenfürsten Samo bei Wogastisburg (?) bewertet. Auch nutzten die Adeligen die neu geschaffenen Strukturen am königlichen Hof zu einem Ausbau ihrer eigenen Macht. Dagobert gilt dennoch allgemein als letzter bedeutender Herrscher der Merowingerzeit und wird in Frankreich noch heute als „bon roi Dagobert“ (Guter König Dagobert) verehrt. Der Grund hierfür könnte in seiner Freigiebigkeit den Armen gegenüber und reichen Schenkungen an die Kirche liegen.

Wie in der Merowingerzeit geschrieben wurde, kannst du hier nachlesen.

Quellen: Patrick J. Geary – Die Merowinger. Europa vor Karl dem Großen, Verlag C.H. Beck und Sebastian Scholz – Die Merowinger, W. Kohlhammer, S. 184 ff.

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