
Der Kleinstamm der Lander
Die Lander (lat. Landoudioer) waren möglicherweise ein germanischer Kleinstamm, was aber nach unserem heutigen Verständnis zumeist eher ein großer Familienverband war. Sie siedelten ungefähr ab dem I. Jahrhundert an der Lahn im Bereich des heutigen Mittelhessen und wurden in der „Geographie“ des Griechen Strabon unter der Bezeichnung Landi erstmals erwähnt. Da die Könige der Franken das Gebiet entlang der Lahn – zunächst noch unter den Rheinfranken – aber bereits in ihr Reich integriert haben und die Alamannen nach der Schlacht von Zülpich 496 nach Süden über den Main hinaus verdrängt bz. in ihr Reich integriert haben, müssen sich auch die Lander ihnen angeschlossen haben – ob freiwillig oder unter Zwang, wissen wir nicht.
Die Lander in der Geschichtsschreibung
Dass auch Ptolemäus um 150 n. Chr. mit den Landoudioern wirklich einen Stamm an der mittleren Lahn gemeint hat, wird nach neuesten Erkenntnissen der Sprachforschung bestritten. Hier geht man vielmehr von einem Übersetzungsfehler aus, Ptolemäus habe in Wirklichkeit die Danduten gemeint. Jedoch noch im IV. Jahrhundert findet man für die Bewohner an der Lahn die Bezeichnungen Langiones, Lanciones, Longiones und Logiones. In einem Sendschreiben Papst Gregors III. aus dem Jahr 738 an Bonifatius, der für die Könige der Franken insbesondere die Bewohner Nord- und Osthessens endgültig christianisieren sollte, wird von mehreren Kleinstämmen auf dem Gebiet der Chatten berichtet. Unter ihnen werden auch die Lognai im mittleren und oberen Lahntal genannt. Dem folgend kann zumindest davon ausgegangen werden, dass es diesen ominösen Kleinstamm gegeben haben muss.
Bruderkriege in Merowingerzeit
Besonders die Zeit nach dem Tod von Chlothar I. im Jahre 561 bis zur erneuten Vereinigung des Königreichs unter seinem Enkel Chlothar II. war ein wildes Durcheinander von Königsmorden, Intrigen und wechselnden Gefolgschaften. Nach heutigem Ermessen würde man von einem Jahrzehnte dauernden Bürgerkrieg sprechen, in dem nicht nur die Mitglieder der Königsfamilie, sondern auch die Oberschicht durch mehrfaches Wechseln der Seite ihren Vorteil, vielleicht aber auch nur das eigene Überleben zu sichern versuchte. Allein in der von uns dargestellten Zeit von 600 bis 630 gab es im Bereich der mittleren Lahn streng genommen fünf aufeinanderfolgende Könige der Franken, denen wir als freie Bauern zur Heerfolge verpflichtet gewesen wären: Theudebert II. (bis 612), Theuderich II. (612-613), Sigibert II. (613), Chlothar II. (613) und schließlich dessen Sohn Dagobert I. (623-639). Doch der Reihe nach:
Könige der Franken: Chlothar II.
Chlothar (*584) war erst drei Monate alt, als sein Vater Chilperich I. ermordet wurde. Bereits im Alter von 13 Jahren bestieg er 597 den Thron von Neustrien (Westfranken). Im Jahr 600 erlitt er gegen die beiden anderen Könige der Franken, die Brüder Theudebert II. von Austrasien (Ostfranken) und Theuderich II. aus Burgund, die seine Großneffen waren, eine vernichtende Niederlage. Sein Reich wurde auf einen kleinen Bereich im Nordwesten des heutigen Frankreichs dezimiert. In der Folge entzweiten sich die Geschwister jedoch und führten untereinander Krieg, bei dem Theudebert unterlag und ums Leben kam. Theoderich aber verstarb bereits ein Jahr später auf dem Höhepunkt seiner Macht. Mit der ihm nun zuteilwerdenden Unterstützung mächtiger fränkischer Großer konnte Chlothar seine Rivalin Brunichild (Mutter von Childebert II.) und deren eilig inthronisiertem, erst elfjährigen, Urenkel Sigibert II. gefangen nehmen und hinrichten lassen. Chlothar wurde zum alleinigen König der Franken. 614 erließ er das Edictum Chlotharii und legte damit möglicherweise den Grundstein für den Niedergang der Merowinger-Dynastie und späteren Aufstieg der Hausmeier (von den Königen eingesetzte Verwalter).
Könige der Franken: Dagobert I.
Dagobert (* um 608; † 19. Januar 639 in Épinay-sur-Seine) wurde 623 von seinem Vater Chlothar II. als Unterherrscher in Austrasien eingesetzt. Innenpolitisch konnte er das Reich nach dem Tod seines Vaters noch einmal vereinen, jedoch war er außenpolitisch nur bedingt erfolgreich. Im Westen gelang es ihm, die Gascogne zurückzuerobern und die Bretonen erneut zu unterwerfen. Dagegen steht der Verlust der sächsischen Tribute. Vor allem seine Niederlage 631 gegen den fränkischen Kaufmann und Slawenfürsten Samo vermutlich bei Wogastisburg schwächte das Fränkische Reich. Gleichwohl gilt er als letzter bedeutender König der Franken aus dem Geschlecht der Merowinger und wird in Frankreich noch heute als „bon roi Dagobert“ (Guter König Dagobert) verehrt. Der Grund hierfür könnte in seiner Freigiebigkeit den Armen gegenüber und reichen Schenkungen an die Kirche liegen. Nach seinem Tod gewannen die Hausmeier immer mehr an Bedeutung, während die Könige selbst in der Folge eher „präsidial“ fungierende Staatsoberhäupter ohne echte Macht waren.
Die fränkischen Teilkönigreiche
Neustrien oder Neustria, war in der Zeit von 511 bis 737 der nordwestliche Teil des fränkischen Reiches zwischen Loire und Schelde
Austrasien, auch Austrien, bezeichnete den östlichen Teil des Fränkischen Reichs, der Name bedeutet Land im Osten. Austrasien war seit dem Tod Chlodwigs I. im Jahr 511 bis zu Pippin dem Jüngeren meist ein selbständiges fränkisches Teilkönigreich. Hauptstadt war zunächst Reims und später dann Metz. Anfangs wurde dieses Königreich daher auch als Reich von Metz bezeichnet, bevor sich ab 584 der Name Austrasien durchsetzte. Das Gebiet umfasste die fränkischen Gebiete um Rhein, Maas und Mosel. Zum Reich gehörten neben Metz aber auch die Orte Reims, Köln und Trier, sowie die Gebiete der besiegten oder angeschlossenen, rechtsrheinischen germanischen Stämme. Unter dem ersten Teilkönig Theuderich I. war das anfangs nur Alamannien und später auch Thüringen und Bayern sowie der größte Teil des heutigen Hessen.

Burgund entstand nach der Eroberung des Zweiten Burgundenreichs 534 durch die Franken und stellte ab 561 bis zur Zersplitterung im IX. Jahrhundert eines der drei Kerngebiete des Frankenreichs dar. Regional umfasste es die Region entlang der Rhône, das heutige Südost-Frankreich sowie Teile der heutigen Schweiz.
Eine ausführliche Zusammenfassung der historischen Ereignisse und der Könige der Franken haben wir in den Chroniken veröffentlicht.
Quellen:
Wilhelm Niemeyer: Der Pagus des frühen Mittelalters in Hessen. Marburg, 1968. S. 169.
Reallexikon der germanischen Altertumskunde. Band 14. De Gruyter, 1999. S. 503 ff.
Patrick J. Geary: Die Merowinger – Europa vor Karl dem Großen, Verlag C.H. Beck, ISBN 3 406 49426 9
Sebastian Scholz: Die Merowinger, W. Kohlhammer GmbH, ISBN 3 170 17814 8
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Droysens-20d.jpg (abgerufen am 18.10.2021)