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Mögliches Siedlungsgebiet der Lander

Gerne erzählen wir etwas über uns und unser Hobby. Als kleine Gruppe von zurzeit sieben Frauen und Männern stellen wir eine bäuerliche Familie in der Zeit des frühen VII. Jahrhunderts im Gebiet des heutigen Mittelhessen dar.

Den östlichen Teil des Frankenreichs nannten die Franken Austrasien (auch Austrien) – Land im Osten. Hier lebten möglicherweise die „Lander“ (lat. „Landoudioer“). Diese Landoudioer waren demnach ein germanischer Kleinstamm, was aber nach unserem heutigen Verständnis zumeist eher ein großer Familienverband war. Sie siedelten ungefähr ab dem I. Jahrhundert im Bereich der oberen und mittleren Lahn (heute etwa Biedenkopf – Marburg – Gießen – Wetzlar). Ob sie sich den Franken freiwillig oder unter Zwang angeschlossen haben, wissen wir nicht. Kriegerische Auseinandersetzungen sind uns für diese Region und den Zusammenhang jedenfalls nicht bekannt.

Franken an der Lahn

Da also nicht eindeutig feststeht, wie – und vor allem von wem genau – unsere Region in dieser Zeit besiedelt war, nennen wir uns Franci Logana – Franken an der Lahn. Denn im ausgehenden VI. und beginnenden VII. Jh. wird für dieses Gebiet gemeinhin nur noch von den Franken gesprochen. Ausgesprochen werden wir übrigens „Franki Logana“, da das lateinische „C“ als „K“ gesprochen wird. Den berühmten „Caesar“ beispielsweise spricht man korrekt „Kajsar“ aus, aus dem im Deutschen dann unsere „Kaiser“ entstanden.

Über uns und unsere Ausrüstung

Die Lahn bildete lange Zeit die Grenze zwischen Franken und dem Gebiet der Alamannen und natürlich hat dieses Volk Einfluss auf uns genommen. Die Ausgrabungen in der Nähe unserer Region, die dies belegen, sind zwar von großer Zahl, die Grabbeigaben jedoch im Vergleich zu den spektakulären Funden an anderen Orten von Qualität und Umfang bescheidener. Wir legen uns daher nicht auf die Darstellung eines bestimmten Grabes fest, stattdessen wählen wir unsere Ausrüstung aus belegten Funden, die zu dieser Zeit noch bzw. bereits genutzt wurden (Funddaten von ca. 540 bis etwa 630).

Unser Leben im frühen VII. Jahrhundert

Unsere Familie bewohnte ein Gehöft, das aus einem großen Wohnstallhaus und mehreren Nebengebäuden bestand. Es gab beispielsweise weitere kleine Wohnhäuser sowie Ställe für das Vieh. Weiterhin gab es Grubenhäuser für Handwerk und Handarbeiten sowie Vorratshäuser. Auf einem derartigen Gehöft dürften bis zu 50 Menschen gelebt haben. Zur Sippe, auch Familia genannt, gehörten neben den Blutsverwandten alle Mägde, Knechte sowie Freigelassene und Sklaven.

Die Franken hatten kein Wort für „Bauern“, weil vom hohen Adel und dem Klerus abgesehen alle Menschen hauptsächlich Bauern waren. Wir gehörten zwar nicht zum Adel, zählten vermutlich aber bereits zur Oberschicht. Ausreichend große Flächen für das Vieh und die Landwirtschaft sicherten unsere Ernährung. Ackerbau wurde zu unserer Zeit nur in Maßen betrieben, trotzdem hatten wir natürlich auch kleine Felder und Gärten. Dinge für den täglichen Bedarf stellten wir vorwiegend selbst her. Was über unsere Fähigkeiten hinausging, erwarben wir durch Tausch oder gegen Bezahlung auf den wenigen Märkten in der Region.

Für die Seite "Über uns" haben wir eine schöne Zeichnung eines fränkischen Gehöfts der Merowingerzeit gefunden
Rekonstruktion eines fränkischen Gehöfts (Quelle: Archäologie Online (Zeichnung: Friederike Hilscher-Ehlert / LVR), abger. am 18.10.2021)

Freie Bauern – was ist darunter zu verstehen?

Der Besitz eigenen Landes war im Fränkischen Reich für die Mehrzahl der Bevölkerung eher die Ausnahme denn die Regel. Ein freier Bauer auf eigenem Grund war demzufolge bereits eher der Oberschicht angehörig. Unter „frei“ ist in der Merowingerzeit übrigens keinesfalls die heutige Bedeutung im Sinne von „unabhängig“ sondern vielmehr „nicht leibeigen“ zu verstehen. Durch die germanischen Stammestraditionen und die immer noch vorhandenen römischen Einflüsse waren wir durch Eid an unseren König gebunden und ihm zur Heeresfolge verpflichtet und unterlagen auch sonst sehr starken gesellschaftlichen Zwängen.

Ihr wollt mehr über uns erfahren?

Wie wir genauer über eine gute Darstellung einer Sippe dieser Zeit denken, könnt ihr hier nachlesen. Ansonsten fragt uns gerne. Auch für Ratschläge oder Fundstellen sind wir euch dankbar und über Hinweise auf gute Literatur oder konstruktive Kritik freuen wir uns. Nutzt einfach das Kontaktformular. Denkt aber bitte daran, dass das unser Hobby ist. Eine Antwort kann also auch mal etwas dauern. Im Mittelalter hatte man schließlich noch Zeit 😉

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